Atomkraft? Ja bitte, aber nur als Übergang
So einen Aufkleber hatte ich lange Zeit an meinem Schulranzen, Geigenkasten, und Anorak kleben. Und weiterhin ist es ganz eindeutig: Atomkraft birgt unverantwortliche Risiken, die jedem, der Tschernobyl miterlebt hat, der die atomaren Warnzeichen auf den Spielplätzen im Englischen Garten in München oder sonstwo gesehen hat, noch im Mark sitzt. Klar, Atomenergie kann und darf nicht als unsere zukünftige Energiequelle angesehen werden. Kann zum Glück ja auch gar nicht, da nukleare Energie ja genau wie die fossile Energie begrenzte Rohstoffe benötigt. Und Dürre-und Hitzeperioden könnten die Laufzeiten von Atomkraftwerken im Sommer stark einschränken -eignen sich daher wenig als Anpassung zum Klimawandel.
Aber, lassen wir mal kurz von unserem schon fast deutsch-tümlich angeborenen und auch durchaus verständlichem Widerwillen gegenüber Atomkraft ab und lassen es zu, ohne Emotionen unseren jetzigen Zustand zu betrachten:
- Wir stehen sehr kurz vor dem Überschreiten von Kipp-Punkten, die unser Klimasystem auf Dauer unumkehrbar in einem Maße verändern würden, dass unsere Erde für Millionen oder Milliarden von Menschen schwer belebbar wäre.
- Wir stehen davor, unsere gesamte Energiewirtschaft auf erneuerbare Energien komplett umbauen zu müssen, und zwar so schnell und effektiv wie möglich.
- Gleichzeitig werden immer mehr neue Kohlekraftwerke gebaut, die über Jahrzehnte hinweg CO2 in unsere Atmosphäre pumpen werden, welches eine Klimakatastrophe unumkehrbar machen würden.
Wir stehen leider im Moment vor der Alternative, neue Kohlekraftwerke zu bauen, oder, für eine Übergangsfrist, die existierenden Atomkraftwerke länger laufen zu lassen. Klar könnten wir theoretisch keines von Beiden tun - einfach direkt 100% erneuerbare Energien entwickeln, so wie z. B. vom Solarenergie-Förderverein vorgeschlagen. Und es ist auch wichtig dieses Ziel so bald wie möglich zu erreichen. Aber ich denke wir sollten ein wenig flexibler über die Thematik der Atomkraft diskutieren, wie es zum Glück auch in den letzten Tagen der Fall war.
Atomkraft? Klar, langfristig muss sie abgeschafft werden, und keine neuen Atomkraftwerke dürfen gebaut werden. Die Diskussion in anderen Ländern über den Neubau von Atomkraftwerken ist absolut unhaltbar. Aber um neue Kohlekrafaftwerke zu vermeiden, wäre eine längere Laufzeit existierender Atomkraftwerke erstrebenswert, selbst wenn man kurzzeitig den Teufel mit dem Beelzebub austreibt. Wenn noch dazu die Gewinne der Atomkraft zum Aufbau erneuerbarer Energien verwendet würden, dann wäre eine Verlängerung der Atomkraftwerke doch durchaus sinnvoll.
Maiken Winter

Am 10. July 2008 um 17:48 Uhr
Hallo Maiken,
als direkter Anwohner (8km) des AKW’s in Biblis möchte ich dich fragen “Wer sichert meinen Besitz?” wenn die alten Kraftwerke weiterlaufen sollen? Die alten Atomkraftwerke sind nun mal unsicherer als neuere. Beim Atomkonsens wurde schon Rücksicht auf die Konzerne genommen. Speziell in Biblis musste nicht nachgerüstet werden “weil es für die paar Jahre nicht zumutbar (finanziell) ist” jetzt kommst du und würdest weiterlaufen lassen.
Die vier Konzerne die Atomkraftwerke betreiben brauchen keine zusätzliche Unterstützung da die Verschmutzungsrechte bisher immer kostenlos zugeteilt wurden und die kostenlose Verschmutzungsrechte trotzdem auf den Strompreis draufgeschlagen wurde, haben die Konzerne jedes Jahr 5 Milliarden verdient.
Man beabsichtigt demnächst 10% der Verschmutzungsrechte zu versteigern dann würden aber immer noch 90% kostnlos zugeteilt der Verbraucher würde also “nur” noch 4,5 Milliarden umsonst zahlen. Hast du den Eindruck, daß dieses Geld der Konzerne bisher in alternative Energien geflossen ist?
Ich nicht, der Boom der erneuerbaren Energien wird von den Bürgern finanziert!!!
P.S.: Übrigens hat Deutschland 2007 ca. die Strommenge exportiert die der Produktion eines Atomkraftwerkes entspricht. Das muss nun wirklich nicht sein…
Am 11. July 2008 um 10:38 Uhr
Ja, bisher sind die Gelder wohl nicht in alternative Energien geflossen, aber das lässt sich doch ändern. Mit genügend Druck auf die Konzerne und Politiker. Unser Hauptproblem ist dass wir alle politisch noch viel zu wenig aktiv sind, und den Politikern klare Zeichen geben, dass wir sie eben nicht wählen, wenn sie nicht eindeutig effektive Maßnahmen ergreifen.