Agrarwende

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Welternährungskrise erfordert Agrarwende

Bericht des Weltagrarrats zur Neu-Ausrichtung der internationalen Agrarpolitik

Preissteigerungen für Nahrungsmittel auf den Weltmärkten und Hungerrevolten in mehr als 30 Entwicklungsländern offenbaren eine Welternährungskrise, die von kaum einem Wissenschaftler vorausgesehen worden ist. Anlass zur Hoffnung auf einen Wechsel in der weltweiten Agrarpolitik gibt der aktuelle Bericht des Weltagrarrats IAASTD (International Agricultural Assessment for Science and Technology for Development). Vierhundert Wissenschaftlern aus aller Welt haben vier Jahre lang mit Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen über die Frage beraten, wie Weltagrarpolitik und -forschung neu ausgerichtet werden müssen, um die ökologischen und sozialen Herausforderungen für die Ernährung der Welt zu bewältigen.

Nur ökologisch-nachhaltige Produktion kann die Ernährungskrise beseitigen
„Aus Natur- und Umweltsicht sind wir mit den Ergebnissen des Weltagrarrats zufrieden“, so NABU- Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Der Bericht betont die Notwendigkeit von ökologisch- nachhaltigen Produktionsmethoden, die politische, wirtschaftliche und sozio-kulturelle Rahmenbedingungen berücksichtigen. Nur so können Armuts- und Hungerprobleme gelöst und das Angebot an Nahrungsmitteln verbessert werden. Diese integrierte Sicht ist dringender denn je, weil jetzt viele Stimmen aus Wirtschaft und Politik allein auf Produktionssteigerung um jeden Preis setzen.“

Im Einklang mit den Ergebnissen des IAASTD-Berichts muss der Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit auf dem lokalen, umweltbezogenen Wissen der Kleinbauern, einem agro-ökologischen, standortspezifischen Ansatz und einer Agrarwissenschaft liegen, die sich in den Dienst der verarmten Kleinbauern stellt. Auf dem Welternährungsgipfel, der vorletzte Woche in Rom stattfand und Antworten auf die Nahrungsmittelkrise der Welt geben sollte, wurden nur die alten Konzepte gegen den Welthunger wieder ausgegraben. Jeder nutzt seine bekannten Argumente, um sie durch die bestehende Krise politisch aufzuwerten. Davon setzt sich der IAASTD-Bericht wohltuend ab. Der unqualifizierten Agrarliberalisierung wird genauso ein schlechtes Zeugnis ausgestellt, wie der einseitigen Befürwortung der Gentechnik.

Gemeinsames Symposium von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen
EED, Brot für die Welt, NABU und VdW führten gemeinsam ein Symposium in Berlin durch, bei dem der IAASTD-Bericht vorgestellt wurde. Als Referenten sind vier der Autoren des Berichts aufgetreten, die die Beratungen von deutscher Seite aus wesentlich mitgestaltet haben. Gleichzeitig fand eine Begegnung mit dem Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit des Bundestags zu dem Bericht statt. Die Organisatoren der Veranstaltung wollen den Bericht des Weltagrarrats gemeinsam in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen zur Lösung der Nahrungsmittelkrise stellen.

Der Bericht ist vergleichbar mit dem Weltklimabericht des IPCC (International Panel of Climatic Change) und stellt den internationalen wissenschaftlichen Konsens in den Fragen der Neuausrichtung der Agrarforschung dar. Er hat den Status eines zwischenstaatlichen Dokuments, das 40 Regierungen unterschrieben haben.

Quelle NABU, Kurzfassung des Weltagrarrates

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