Auslaender

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Birma und ich

Eine Reflektion über unsere (Un)Fähigkeit, Verantwortung und Mitgefühl zu zeigen.

Vor 4 Jahren, als der Tsunami 10.000-nde in den Tod riß tat ich so viel ich konnte, um den Menschen in Indonesien zu helfen. Ich gab alle unsere extra Decken einer Delegation aus Ithaca, spendete (für meine Verhältnisse) viel Geld, und redete mit Vielen darüber, was wir machen können, um zu helfen.

4 Jahre später fühle ich weit weniger, obwohl die Katastrophe in Birma möglicherweise noch größere Ausmasse haben wird.

Was ist anders?

Meine Tochter hatte eine Klassenkameradin im Kindergarten, deren Familie aus Indonesien stammte. Der Vater des Kindes, zusammen mit 2 Lehrerinnen unserer Schule, reisten in ihr Heimatdorf, um zu helfen, die dortige Schule wieder aufzubauen. Wir hatten eine direkt Verbindung mit den Betroffenen.

Bei der jetzigen Katastrophe sind mir Land und Leute fremd; es fehlt der Bezugspunkt. Wie kann das sein? Warum braucht es einen stärkeren Bezugspunkt als die Tatsache, daß es in Birma Mütter wie mich gibt, Kinder wie meine Kinder, die ihre nächsten Angehörigen verloren haben?

Ohne Bezugpunkt, ohne wahre Anteilnahme, befürchte ich, daß sich ein Gedanke einschleichen kann, den ich mich kaum aufzuschreiben traue, der hoffentlich vehement abgelehnt wird, der aber sicherlich tief in vielen Menschen sitzt, auch wenn er nicht ausgesprochen wird, oder werden darf:

Da unser Planet sowieso an Überbevölkerung leidet, sind da Naturkatastrophen nicht ein willkommenes Mittel, um uns ein wenig mehr Zeit zu geben, unser Leben besser in den Griff zu bekommen?

Natürlich widersprechen solche Gedanken jeder Menschlichkeit. Doch leider agieren wir oft so, als ob wir tatsächlich von solchen Gedanken geleitet werden. Aber wie würden wir uns fühlen, wenn durch eine Naturkatastrophe 10.000-ende von Menschen in Deutschland ums Leben kommen würden?

Die wesentliche Frage ist, denke ich, wie können wir uns mehr mit den Menschen der Welt verbunden fühlen? Woran liegt es, dass wir oft so passiv und distanziert die furchtbaren Tragödien in der Welt tatenlos beobachten?

Diese Passivität ist es auch, die uns den Klimawandel weiterhin noch so distanziert betrachten läßt. “Was geht es mich an, wenn Millionen von Menschen sterben, solange es uns in Deutschland gut geht?”, meinte ein deutscher Schüler. Abgesehen davon, daß diese Aussage natürlich furchtbar kurzsichtig ist, exempliert sie auch unsere Passivität gegenüber dem Wohlbefinden von Menschen in anderen Ländern.

Eine Möglichkeit, um alle Menschen auf unserem Planeten ein wenig näher rücken zu lassen, ist, unsere Nachbarn, Klassenkameraden, und Mitarbeiter anderer Abstammung sehr viel mehr in unser eigenes Leben einzubinden. Diese Nachbarn geben uns die Möglichkeit, uns mit der ganzen Welt auszutauschen, und sie besser zu verstehen; sie schaffen uns dadurch die Möglichkeit, ein gemeinsames friedliches Leben auf der ganzen Welt aufzubauen. Sie sind die Tür zur Entwicklung eines Weltethos, zur Entwicklung von Gleichheit und Gerechtigekeit auf unserem Planeten.

Wie kann ich Birma helfen? Abgesehen von Spenden, ist die größte Hilfe daher vielleicht ein intensiverer Austausch mit unseren Nachbarn aus anderen Ländern, ein intensiveres Auseinandersetzten mit anderen Kulturen und Religionen, und ein besseres Verstehen, daß alle Menschen mit den gleichen Gefühlen ausgestattet sind. Der Verlust eines geliebten Menschen ist für einen Menschen in Birma nicht weniger tragisch als der Tod eines geliebten Menschen in Deutschland (dazu siehe auch diesen früheren Beitrag).

Maiken Winter

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