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Den Blick stärker auf Afrika richten – und handeln

Pressemitteilung des BMU.

Europa kann sich den sozialen Folgen des Klimawandels nicht entziehen. In seinem neuen Bericht, der heute (1. August 2009) vorgestellt wurde, beschreibt das renommierte Millennium Institute aus Arlington (USA) die zehn größten Herausforderungen für die Weltgemeinschaft. An erster Stelle nennt der Bericht den Klimawandel und hierbei insbesondere die Folgen für Afrika. Schon im Februar und April 2007 warnte der Weltklimarat (IPCC) in den ersten beiden Teilberichten des 4. Sachstandsberichts – wissenschaftliche Erkenntnisse und regionale Folgen des Klimawandels – vor den dramatischen Konsequenzen für den afrikanischen Kontinent, falls die Erwärmung wie erwartet zunimmt. Dazu erklärt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium Michael Müller:

“Afrika ist das Armenhaus der Erde. In zahlreichen Ländern liegt die Lebenserwartung der Männer bei nur 40 Jahren oder darunter. Die Kindersterblichkeit ist die höchste auf der Welt. Die Geburtenrate liegt doppelt so hoch wie der Weltdurchschnitt. Afrika ist der einzige Kontinent, auf dem (mit Ausnahme der fünf nördlichen Länder) die Sozial- und Gesundheitsdaten auch in den letzten Jahren nach unten wiesen, obwohl die Wachstumsraten 5,5 Prozent pro Jahr erreichten. Die Verteilung ist extrem einseitig.

Der vergessene Kontinent ist der Verlierer des 20. Jahrhunderts. Ende der sechziger Jahre litten dort rund 60 Millionen Menschen an Hunger und Unterernährung. Heute sind es bereits 230 Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner. Insgesamt werden in Afrika 380 Millionen Arme gezählt. Statistisch hatten sie 2005 nur 50 Cent pro Jahr zur Verfügung. Die Wirtschaftskrise trifft vor allem Schwarzafrika besonders hart. Dort bündeln sich wie in einem Brennglas die Folgen der Ungleichheit und des Klimawandels.

Ein durchschnittlicher Anstieg um zwei Grad Celsius gegenüber 1990 wird noch in diesem Jahrhundert in weiten Bereichen Afrikas erwartet. Er ist verbunden mit einer Halbierung der Ernteerträge. Afrika droht eine unvorstellbare Katastrophe und der Welt in der Folge eine gewaltige Flüchtlingswelle.

Die Wüstenbildung nimmt rasant weiter zu, die grüne Welle, also die Ausbreitung des Regens vom Äquator, zieht sich seit den sechziger Jahren Jahr für Jahr stärker nach Süden zurück. Zugleich wird in Zentralafrika der Urwald im großen Umfang abgeholzt. Naturschätze und Rohstoffe vieler Länder sind Objekt der Begierde großer Staaten, insbesondere Edelmetalle und mineralische Ressourcen. Afrika ist von einem neuen, von einem ökologischen Kolonialismus bedroht.

Deshalb ist es gut, dass die G 8 in Heiligendamm 2007 den Blick stärker auf Afrika gerichtet hat. Doch es muss weit mehr geschehen. Im italienischen L’Aquila wurden die Zusagen erneuert. Zahlreiche Gespräche mit afrikanischen Wissenschaftlern, Mitarbeitern des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) sowie Politikern beiderlei Geschlechts geben jedoch ein ernüchterndes Bild ab.

Natürlich müssen sich auch die Afrikanerinnen und Afrikaner selbst weitaus mehr um den Schutz der Natur, um mehr Gerechtigkeit und um eine selbst tragende wirtschaftliche Entwicklung bemühen. Afrika muss mit Korruption und Unterdrückung aufräumen. Internationale Firmen dürfen sich nicht länger wie Kraken aufführen.

Aber dafür brauchen die Menschen dort auch die Freiheit, einen eigenständigen Weg gehen zu können. Tatsache ist, dass die Afrikaner die Hauptbetroffenen des vom Menschen verursachten Klimawandels sind, obwohl sie selbst nur wenig dazu beigetragen haben. Heute ist Afrika der Testfall für globale Verantwortung.

Klimaschutz ist kein Selbstzweck. Er ist die Voraussetzung, dass die Menschheit nicht ins Unglück stürzt. Vor allem die Europäerinnen und Europäer werden massiv betroffen sein, wenn es, wie absehbar, zu massiven Flüchtlingsbewegungen kommt. Die Frontex, die europäische Polizei zur Verhinderung einer großen Flüchtlingswelle, kann dagegen nichts ausrichten. Zumal sie die Probleme nicht an den Wurzeln anpackt. Auch deshalb muss die Klimakonferenz in Kopenhagen ein Erfolg werden. Es gilt, künftige Klimakriege zu vermeiden.”

Weitere Informationen zur Studie unter www.millennium-institute.org.

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