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Al Gore’s geheime Rede

Leider wurde nach Al Gore’s Rede bei der öffentlichen Wasserwirtschaft in München letzten Freitag hauptsächlich darüber berichtet, daß Journalisten nach 5 Minuten herausgeworfen wurden (Süddeutsche hier und hier). Der Ärger ist verständlich, jedoch hilft er nicht, einen Weg aus der Klimakrise zu finden. Stattdessen wird abgelenkt auf persönliche Frustrationen, die langfristig nicht weiterhelfen. Und übrigens, die Beschuldigungen, daß Al Gore immer wieder die gleiche Rede hält, stimmt nicht. Ich hörte ihn diese Woche 3 mal, und jedes mal lernte ich etwas anderes dazu.

Ganz egal, wie sehr man sich über die schwer nachzuvollziehende Bestimmung Al Gore’s ärgert, es bleibt doch Faktum, daß wir ganz kurz vor einer Katastrophe stehen, die sich keiner wirklich ausmalen kann oder will. Es geht um viel mehr als um frustrierende Regulierungen.

Trotz aller Warnungen der Klimawissenschaftler, daß wir eine Klimakatastrophe unvorstellbaren Ausmasses hervorrufen, wenn wir nicht so schnell und drastisch wie möglich unsere CO2 Emissionen verringern, ist zwischen 2006 und 2007 die CO2 Konzentration um mehr als je zuvor angestiegen: um 3% auf nun 387 ppm CO2 in der Atmosphäre. Nehmen wir theoretisch an, daß wir weiterhin einen jährlichen CO2-Anstieg um 3% zu verbuchen hätten, dann würde die Temperatur bis zum Jahrhundertsende um 7ºC ansteigen. Die Auswirkungen eines solchen Temperaturanstiegs werden im IPCC Report gar nicht erst beschrieben; die Beschreibungen der – absolut verheerenden – Auswirkungen gehen nur bis zu einer Temperatur-Erhöhung um 5ºC.

Kein Wunder, daß Al Gore, der schon seit 2 Jahrzehnten gegen den Klimawandel anzugehen versucht, langsam etwas frustriert wird. “Ich habe das Gefühl, daß ich versagt habe” meinte er. Obwohl das Bewußtsein der Menschheit über den Klimawandel in den letzten Jahren rapide zugenommen hat, lassen  weiterhin  konkrete Handlungen zu sehr auf sich warten. Mehr als je zuvor werden fossile Treibstoffe aus den Jahrmillionen alten Lagerstätten geholt und verbrannt. [Selbst In Deutschland werden, trotz so vorbildhafter Klimaschutzpolitik, weiterhin neue Kohlekraftwerke geplant]. Wenn wir so weitermachen, dann begeht die Art Mensch einen kollektiven Massen-Selbstmord, so Al Gore.

Eigentlich müssten wir alle fassungslos vor den Entwicklungen stehen, und alles daran setzen, gegen diesen Wahnsinn anzugehen. Warum tun wir das nicht? Politiker sind in ihrem System gefangen, in dem sie nur das tun können, was ihnen die Unterstützung ihrer Wähler versichert. Die Wirtschaft ist in der Spirale des Profits gefangen, aus der es fast unmöglich ist, herauszubrechen, ohne dabei bankrott zu gehen. Die Zivilbevölkerung, also Sie und ich, sind die einzigen in diesem Dreiergespann, die relativ frei agieren können. Es liegt an uns, Druck auf Politiker und Wirtschaft zu machen, diesen Wahnsinn zu beenden. Wir sind es unseren Kindern schuldig.

Um effektiv zu agieren, und dabei nicht auf unseren eigenen kurzzeitigen Profit zu achten, benötigen wir eine kollektive Intelligenz, die uns als Art zusammenführt, eine Intelligenz, die es uns ermöglicht, drastische Änderungen vorzunehmen, die uns im Moment noch als unmöglich erscheinen; wie z.B. 100% erneuerbare Energien, welche von Al Gore favorisiert werden. Ein kompletter Ausstieg aus fossilen Energien innerhalb weniger Jahrzehnte IST möglich. Die Alternative – Beibehalten des business as usual – führt zu einer Katastrophe. Es ist Zeit, daß wir danach handeln, was nötig ist, nicht nach dem, was wir von unserer heutigen Denkwarte aus als möglich erachten.

Al Gore bleibt trotz allem optimistisch, denn es ist weiterhin noch nicht zu spät. Der Friedensnobelpreisträger holt sich einen Teil seines Optimismus von der Hoffnung, daß seine Vorträge bei einigen der Anwesenden ein Umdenken bewirken wird; ein Umdenken, welches verhilft daß Maßnahmen zum Klimaschutz (die in Deutschland natürlich schon weit mehr entwickelt sind als in vielen anderen Ländern) schneller und effektiver durchgesetzt werden; und daß sich jeder Einzelne von uns mit ganz konkreten Maßnahmen [wie z.B. dem Umstieg auf Ökostrom] am Klimaschutz beteiligt.

Angesichts der Dramatik unserer Lage, wäre es da nicht besser, sich auf gemeinsame Lösungen zu konzentrieren, als sich allzu sehr über Charaktere einzelner Menschen zu ärgern? Bei der Klimakrise geht es um weit mehr als um Al Gore. Leider.

Maiken

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