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Schmelzen in der Antarktis – ein Grund zur Besorgnis?

Nur 6 Jahre nach dem spektakulären Zusammenbruch des Larsen Eisschelfs im west-antarktischen Eisschild, beginnt nun ein weiteres Eisschelf – das Wilkins Eisschelf – zu kollabieren: als erstes Zeichen dafür zeugt der Abbruch einer 41 x 2,5 km großen Fläche zwischen dem 28.2. und 17.3.2008.

Als erster bemerkte Ted Scambos (Wissenschaftler am NSIDC) Unregelmäßigkeiten auf spektrographischen Bildern von NASA´s Terra und Aqua Satelliten. Die nebenstehenden Bilder (von NASA) zeigen, wie ein großes Stück des Wilkins Eisschelfes innerhalb von nur 18 Tagen kollabiert ist: am 13.2.2008 war das Eisschelf noch intakt (linkes Bild, westliche Seite), während es am 17.3.2008 schon kollabiert war (rechtes Bild). Die einzelnen Stücke des Eischelfes sind zum großen Teil wieder gefroren, und sind von dem weißen Eisschelf als bläuliche Fläche erkenntlich.

Im nebenstehenden Bild vom NSIDC kann man oberhalb des Abbruches Kanten erkennen, die ein Anzeichen dafür sind, daß sich im kommenden arktischen Sommer möglicherweise weitere Teile des Eisschelfes ablösen werden. Dies ist- wie Wissenschaftler des British Antarctic Survey berichten – sehr wohl möglich, da sich das gesamte Eisschelf nur noch durch einen dünnen Streifen Eis mit dem west-antarktischen Eisschild verbunden ist. Im Moment jedoch ist, so Ted Scambos, ein weiteres Abbrechen von Eisbrocken unwahrscheinlich, da inzwischen der arktische Winter begonnen hat.

Der Abbruch des Eisbrockens bedeutet höchstwahrscheinlich den Anfang des Kollapses des gesamten Wilkins Eisschelfes. Dieses Eischelf nimmt eine Fläche von ca 13.680 km2 ein, mit einer maximalen Dicke von 200 – 250 m. Wie alle Eisschelfe schwimmt es auf der Meeresoberfläche, ist aber mit dem Festland verbunden. Sein Schmelzen verursacht daher – wie beim Schmelzen des arktischen See-Eises – keinen Meeresspiegelanstieg, denn das Volumen des Eises bewirkt eine proportionale Verdrängung des Wassers, welches durch das Abschmelzen wieder ausgeglichen wird.

Der Kollaps von Eisschelfen birgt im Allgemeinen die Gefahr, daß Gletscher schneller in Richtung Meer fließen, wodurch der Meeresspiegel schneller ansteigt. Ein solch verschnellerter Gletscherfluß entstand z. B. nach dem Kollaps des Larson Eisschelfes (NASA).

Das Wilkins Eisschelf unterscheidet sich von den meisten anderen Eischelfen, indem die Hauptmasse seines Eises aus festgefrorenem See-Eis besteht (und daher auch nur ca 400 Jahre alt ist). Sein Kollaps wird daher den Meeresspiegelanstieg höchstwahrscheinlich nicht beschleunigen. Allerdings könnten die nun exponierten Eismassen durch Wellenwirkung leichter ihren Halt verlieren, und dadurch schneller abbrechen.

Der Abbruch am Wilkins Eisschelf wird von Wissenschaftlern direkt auf die starke Erwärmung der Antarktis zurückgeführt, in Kombination mit der Erosionskraft der Wellen. Wie die nebenstehende Karte von NASA zeigt, ist zwischen 1981 und 2007 die Temperatur der Wasser- und Eis-Oberfläche der Antarktis, v.a. im Westen, stark angestiegen. Im Mittel ist innerhalb der letzten 5 Jahrzehnte die Temperatur in der Antarktis um 0,5ºC pro Jahrzehnt angestiegen. Damit ist die Antarktis eines der Gebiete, die sich auf unserer Erde am schnellsten erwärmen.

Wie der British Antarctic Survey berichtet, sind innerhalb der letzten 30 Jahre schon mehrere Eisschelfe stark zurückgegangen; 6 davon sind vollkommen kollabiert (Prince Gustav Channel, Larsen Inlet, Larsen A, Larsen B, Wordie, Muller und Jones Eisschelf). Der nächste antarktische Sommer wird zeigen, wie lange das Wilkins Eischelf noch bestehen wird. Eindeutig ist, daß der Kollaps der Eisschelfe bei weitem schneller abläuft, als von Wissenschaftlern vermutet wurde. Dies könnte noch nicht absehbare Folgen auf die Schnelligkeit und die Ausmaße des Meeresspiegelanstieges haben.

Maiken Winter

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