Deutschland, auf einer Energiemesse im Monat Mai. Ich besuche den Stand eines städtischen Energieversorgers, der sich mit futuristischem Design und dynamisch-klangvollem Namen präsentiert. Ein Vertriebsmitarbeiter Mitte Vierzig nimmt sich Zeit für ein kurzes Gespräch. Ja, die städtischen Energieversorger, hebe ich an. Die würden ja allerorten von Billigstromanbietern bedrängt (Nuon, E wie Einfach & Co.). Inwieweit tangiere das denn den Energieversorger X?
Der nette Herr legt die Stirn in Runzeln und meint nach einiger Überlegung: ja, die würde man schon wahrnehmen. Aber man könne den Kunden ja ein ganz anderes Produkt bieten als die Billiganbieter. Jetzt bin ich am Überlegen. In meiner gesamten Lebenszeit als Stromkundin habe ich noch nie, niemals einen Service von meinem städtischen Energieversorger wahrgenommen, der mir einen wirklichen Mehrwert geboten hätte. Ich sage bewusst „wahrgenommen“ denn ich gehöre zu den Menschen, die Postwurfsendungen ungelesen in den Papiermüll werfen. Es könnte ja immerhin sein, dass mein städtischer Energieversorger mir auf dem Postweg einen echten Mehrwert angeboten hat und ich weiß einfach nichts davon.
„Was sind denn genau die Leistungen, die Sie im Gegensatz zu den Billiganbietern anbeiten?“ frage ich. „Wir bieten eben Produkte, die dem Kunden zusätzliche Services bieten und auf diesem Weg die Kundenbindung stärken,“ sagt mein Gesprächspartner. „Was für Produkte meinen Sie denn?“ „Nun, Zusatzleistungen wie zum Beispiel Kundendienst und telefonische Beratung.“ Weil ich den großen Zusatznutzen immer noch nicht sehe, wechsele ich das Thema: „Wie sieht es denn mit Ökostrom aus – haben Sie den auch im Sortiment?“ – „Haben wir nicht. Der wird auch im Moment noch nicht so nachgefragt. Aber wir haben jetzt ein ganz neues Produkt, das auch umweltfreundlich ist, unser XX-Gas!“
Mein Herz macht einen kleinen Hoffnungssprung. „Sie meinen Biogas?“, frage ich. Aber mein Gesprächspartner spricht von Erdgas. Gerne würde ich mit ihm darüber diskutieren, warum Erdgas bei wirklich aufgeklärten Verbrauchern nicht als umweltfreundlich wahrgenommen wird, weil es genau wie Erdöl zu den nicht-regenerativen Energieträgern gehört – ein Tatbestand, der vielen Bürgern sehr wohl bewusst ist. So diskutieren die User von Utopia.de, Deutschlands führender Online-Community für nachhaltiges Konsumieren, über die Möglichkeit, von Erdgas zu Biogas zu wechseln. Nach dem großen Erfolg von Ökostrom werde nun das Ökogas seinen Siegeszug antreten, prophezeit der Utopist Ingo Leipner in einem Beitrag. Für die traditionellen Energieversorger könnte dies eine Chance bedeuten, das zu erreichen, was sie beim Ökostrom versäumt haben: sich an die Spitze der Energiewende in Deutschland zu stellen.
- Birte Pampel
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