Zweite Generation

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Biosprit-Comeback; Energie ist nicht gleich fossile Energie

Es ist schon erstaunlich: da wird monatelang in den Medien über die Risiken der Biospritherstellung und -nutzung gesprochen, Gesetze werden zurückgenommen, die den Biosprit fördern sollten — aber kaum steigen die Preise von fossilem Öl, wird der Biosprit wieder salonfähig. So veröffentlichte die Autobild einen Ratgeber-Beitrag “Alles über Biosprit – wo kann ich’s tanken, wieviel kann ich sparen.” - Nur wer die hitzige Debatte der letzten Monate genau verfolgt hat kann verstehen,dass eine solche Schlagzeile in der Bild einer Sensation gleichkommt. Denn sie bedeutet dass auch eine breite Masse in Deutschland langsam versteht, was viele Politiker und Unternehmer hinter den Kulissen schon lange wissen: die Frage, ob Biosprit oder fossiler Sprit, ist keine Frage der Präferenz sondern entspringt der Notwendigkeit, Alternativen zu finden. Man darf jedoch mit Recht monieren, dass der von der Bild propagierte Biosprit aus Ethanol ist, sprich: aus Alkohol, der aus Getreide produziert wurde und dessen Energiebilanz als Kraftstoff fragwürdig ist.

Mit diesem Aspekt befasste sich kürzlich der österreichische Standard in einem Interview mit Fritz Grillitsch, dem Chef des dortigen Bauernbunds. Das Stichwort: Warum beharren die Bauern so uneinsichtig auf dem Biosprit? Grillitsch machte zwei sehr interessante Aussagen, die ein neues Augenmaß in die Biospritdebatte bringen könnte. Erstens: Die Prioritätenliste bleibt Teller, Trog und Tank. Zweitens: In Österreich (und Ähnliches gilt für die meisten EU-Staaten) wurden nur 1% der Getreideernte für die Biospritproduktion eingesetzt. Drittens, für die Kritiker, die (zu Recht) gegen die Versprittung von Getreide überhaupt sind: diese Lösung wird von Bauern, Politik und Technik nur als “Brückentechnologie” gewertet und es wird intensiv an der Entwicklung der Biokraftstoffe der sog. zweiten Generation gearbeitet, die nicht aus essbaren Rohstoffen hergestellt werden.

Ebenfalls interessant die Pressemeldung von EON vom 22.7., in der das Unternehmen den “Bau neuer Kraftwerksblöcke in Russland” ankündigt. Erstaunlich ist, dass in der Pressemeldung kaum ein Hinweis darauf zu finden ist, mit welchem Rohstoff die neuen Kraftwerke (genauer: Heizkraftwerke) betrieben werden: Gas? Müll? Abfallholz aus russischen Wäldern? Für die Energiebranche und ihre Fachjournalisten mag klar sein, was gemeint ist (nämlich Erdgas), aber der aufgeklärte Verbrauchter denkt ja beim Stichwort “Energie” oder “Heizen” nicht mehr automatisch an Erdgas oder Erdöl, sondern ggfalls auch an alternative Energien.

- Birte Pampel

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